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Fachoberschule Sachsen - Rechtskunde Klassenstufe 12 Lernbereich mit Wahlpflichtcharakter 3: Streit ums Erbe

Gruppenarbeit – Erbrecht

Gesetzliche Erbfolge

Fall A: Leon und Leonie heirateten 1980 und ließen sich 2000 scheiden. 2019 stirbt Leon. Seine Mutter Martha und sein Bruder Ben leben zu diesem Zeitpunkt. Weiterhin hinterlässt Leon seinen Sohn Samuel mit dessen Kindern Elke und Emma. Sein weiterer Sohn Simon ist bereits verstorben. Simon ist der Vater von Ernestine. Leons Tochter Theresa hat Emil und Erica zur Welt gebracht. Sowohl Theresa als auch Tessa, eine weitere Tochter von Leon, schlagen die Erbschaft aus. Eine letztwillige Verfügung liegt nicht vor.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Lösung Fall A

Fall B: Finn stirbt 2019 ohne eine letztwillige Verfügung. Er war unverheiratet und hinterlässt seine Mutter Miriam, seinen Sohn Silas, seinen Bruder Benjamin mit dessen Töchter Nadine und Nina, Nikolas, der Sohn seines vorverstorbenen Bruders Baldur, und Henry, seinen Halbbruder mütterlicherseits. Die Erbschaft wird von Silas ausgeschlagen.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Fall C: 2019 stirbt Joachim ohne eine letztwillige Verfügung. Er hat keine Kinder. Die Eltern von Joachim sind vorverstorbenen. Sein Bruder Bert ist ebenfalls kinderlos, seine Schwester Susanne hat eine Tochter Nancy und einen Sohn Norman. Weiterhin ist Hans, der Halbbruder väterlicherseits, und Hildegard, die Halbschwester mütterlicherseits noch da. Hildegard hat zwei Kinder, Natalie und Norbert. Hildegard hatte die Erbschaft ausgeschlagen.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Fall D: Rita stirbt 2019 ohne eine letztwillige Verfügung. Gabriele wird von ihren beiden Großmüttern Gertraud und Gerda überlebt. Weiterhin leben Ritas Onkel mütterlicherseits Oskar und dessen Halbbruder Otto, der von derselben Großmutter Gertraud abstammt. Ritas Halbschwester Hannelore, die von dem Großvater mütterlicherseits abstammt, ist verstorben. Väterlicherseits leben Ritas Tante Theodora sowie ihre Cousinen Conny und Cora, die von Ritas vorverstorbenem Onkel Olaf abstammen Cora ist zugleich die Tochter von Hannelore.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Fall E: Iris verstirbt 2019. Sie hinterlässt ihren Ehemann Manny. Mit ihm hat sie die gemeinsame Tochter Tara. Ihre weitere gemeinsame Tochter Tilly ist leider verstorben, sie hatte 2 Söhne Erwin und Egbert. Weiterhin leben die Brüder von Iris Bernd und Billy sowie ihr Halbbruder mütterlicherseits Harald. Iris hat keine letztwillige Verfügung getroffen. Sie lebte in einer Zugewinngemeinschaft mit Manny. Tara, Erwin und Egbert schlagen die Erbschaft aus.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Fall F: Iris verstirbt 2019. Sie hinterlässt ihren Ehemann Manny. Mit ihm hat sie die gemeinsame Tochter Tara. Ihre weitere gemeinsame Tochter Tilly ist leider verstorben, sie hatte 2 Söhne Erwin und Egbert. Weiterhin leben die Brüder von Iris Bernd und Billy sowie ihr Halbbruder mütterlicherseits Harald. Iris hat keine letztwillige Verfügung getroffen. Sie vereinbarte mit Manny Gütertrennung.

Wer erbt mit welchen Erbquoten? Bitte gebe die Erbquoten in Bruchteilen an (nicht in Prozenten).

Bürgerliches Gesetzbuch (Auszug)

§ 1363 Zugewinngemeinschaft

(1) Die Ehegatten leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nicht durch Ehevertrag etwas anderes vereinbaren. …

§ 1371 Zugewinnausgleich im Todesfall

(1) Wird der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet, so wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht; hierbei ist unerheblich, ob die Ehegatten im einzelnen Falle einen Zugewinn erzielt haben. …

§ 1922 Gesamtrechtsnachfolge

(1) Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über.

(2) Auf den Anteil eines Miterben (Erbteil) finden die sich auf die Erbschaft beziehenden Vorschriften Anwendung.

§ 1923 Erbfähigkeit

(1) Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt. …

§ 1924 Gesetzliche Erben erster Ordnung

(1) Gesetzliche Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers.

(2) Ein zur Zeit des Erbfalls lebender Abkömmling schließt die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge von der Erbfolge aus.

(3) An die Stelle eines zur Zeit des Erbfalls nicht mehr lebenden Abkömmlings treten die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge (Erbfolge nach Stämmen).

(4) Kinder erben zu gleichen Teilen.

§ 1925 Gesetzliche Erben zweiter Ordnung

(1) Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

(2) Leben zur Zeit des Erbfalls die Eltern, so erben sie allein und zu gleichen Teilen.

(3) Lebt zur Zeit des Erbfalls der Vater oder die Mutter nicht mehr, so treten an die Stelle des Verstorbenen dessen Abkömmlinge nach den für die Beerbung in der ersten Ordnung geltenden Vorschriften. Sind Abkömmlinge nicht vorhanden, so erbt der überlebende Teil allein. …

§ 1926 Gesetzliche Erben dritter Ordnung

(1) Gesetzliche Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

(2) Leben zur Zeit des Erbfalls die Großeltern, so erben sie allein und zu gleichen Teilen.

(3) Lebt zur Zeit des Erbfalls von einem Großelternpaar der Großvater oder die Großmutter nicht mehr, so treten an die Stelle des Verstorbenen dessen Abkömmlinge. Sind Abkömmlinge nicht vorhanden, so fällt der Anteil des Verstorbenen dem anderen Teil des Großelternpaars und, wenn dieser nicht mehr lebt, dessen Abkömmlingen zu. …

(5) Soweit Abkömmlinge an die Stelle ihrer Eltern oder ihrer Voreltern treten, finden die für die Beerbung in der ersten Ordnung geltenden Vorschriften Anwendung.

§ 1927 Mehrere Erbteile bei mehrfacher Verwandtschaft

Wer in der ersten, der zweiten oder der dritten Ordnung verschiedenen Stämmen angehört, erhält den in jedem dieser Stämme ihm zufallenden Anteil. Jeder Anteil gilt als besonderer Erbteil.

§ 1930 Rangfolge der Ordnungen

Ein Verwandter ist nicht zur Erbfolge berufen, solange ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist.

§ 1931 Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten

(1) Der überlebende Ehegatte des Erblassers ist neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel, neben Verwandten der zweiten Ordnung … zur Hälfte der Erbschaft als gesetzlicher Erbe berufen. …

(3) Die Vorschrift des § 1371 bleibt unberührt.

(4) Bestand beim Erbfall Gütertrennung und sind als gesetzliche Erben neben dem überlebenden Ehegatten ein oder zwei Kinder des Erblassers berufen, so erben der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen; …

§ 1933 Ausschluss des Ehegattenerbrechts

Das Erbrecht des überlebenden Ehegatten sowie das Recht auf den Voraus ist ausgeschlossen, wenn zur Zeit des Todes des Erblassers die Voraussetzungen für die Scheidung der Ehe gegeben waren und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte. …

§ 1937 Erbeinsetzung durch letztwillige Verfügung

Der Erblasser kann durch einseitige Verfügung von Todes wegen (Testament, letztwillige Verfügung) den Erben bestimmen.

§ 1953 Wirkung der Ausschlagung

(1) Wird die Erbschaft ausgeschlagen, so gilt der Anfall an den Ausschlagenden als nicht erfolgt.

(2) Die Erbschaft fällt demjenigen an, welcher berufen sein würde, wenn der Ausschlagende zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätte; …

Von sauer_recht